Der Kälteeinbruch im April mit noch immer andauernden Nachtfrösten hat die Entwicklung unserer Bienenvölker stark beeinträchtigt. Nach der Auswinterung im März, wenn das Wetter langsam wärmer wird, findet die Durchlenzung statt. Durchlenzung ist der Wechsel von Winterbienen zu Sommerbienen.
Winterbienen
Winterbienen sind langlebige Bienen, die im Herbst zur Welt kommen. In der kalten Jahreszeit bilden sie einen Bienentraube, um sich gegenseitig und vor allem die Königin zu wärmen. Sie verhalten sich dabei wie ein belgischer Kreisel: die Bienen am äußeren kalten Rand bleiben dort, bis es ihnen zu kalt ist, um sich dann zum Aufwärmen ins Innere der Traube zu begeben. Winterbienen leben mehrere Monate.
Sommerbienen
Sommerbienen dagegen werden nur wenige Wochen alt. Nach dem Schlupf halten sie den Bienenstock sauber, füttern Larven, lagern Pollen ein, trocknen Honig, um dann später auch auszufliegen, um Honig, Pollen, Wasser und Wachs zu sammeln. Diese Arbeiten sind so kräftezehrend, dass die Bienen nach wenigen Wochen im wahrsten Wortsinn abgearbeitet sind und sterben.
Durchlenzung
Die Durchlenzung ist nun der Zeitraum, an dem das Wetter wieder besser wird und die Königin mit Hilfe der Winterbienen wieder mit der Aufzucht neuer Bienen beginnt. Genau in diesen Zeitraum fiel in den vergangenen Wochen nun der Kälteeinbruch, sodass die Bienenvölker wieder einen Gang zurückgeschaltet haben. Große Brutnester, wie sie für ein starkes Bienenvolk benötigt werden, brauchen in kalten Nächten auch eine starke Heizleistung, damit die Brut nicht erfriert. Wenn das Volk aber noch nicht stark genug ist, wird die Bruttätigkeit wieder zurückgefahren.
Dieses Verhalten ist von der Natur zum Schutz der Bienenvölker so angelegt und als Imker ist man froh, dass die Bienen auch mit solchen Wetterkapriolen gut umgehen können. Allerdings kann dieses Verhalten für den Imker auch einen Nachteil bringen. Bei dem nun seit einer Woche besseren Wetter werden die Bienen wieder mit der Brutaufzucht beginnen, allerdings dauert die Aufzucht der Bienen vom Legen des Eis bis zum Schlupf der Arbeiterin drei Wochen. Bienen haben nach dem Winter somit eine etwas längere “Kaltstartphase”. Die Natur hingegen ist manchmal viel schneller. Oft reichen wenige sonnige Tage, damit Bäume und Wiesen von Blüten nur so wimmeln. Fällt diese “Explosion” der Natur nun just in die Durchlenzung, in der noch nicht genug junge Sommerbienen geschlüpft sind, kann es passieren, dass viele Blüten schon wieder verblüht sind, bevor die Bienen sie anfliegen können. Das schmälert zum einen die Bestäubung, zum anderen den Honigertrag.
Um die Bienen sorgen wir uns nicht, für die wird es reichen, aber für uns Imker könnte dieses Frühjahr etwas weniger Honig übrig bleiben.
Wetter im Siegerland
Allerdings haben wir im Siegerland einen kleinen Standortvorteil, der in normalen Jahren ein Standortnachteil ist. Die Entwicklung der Natur hinkt bei uns immer einige Tage bis wenige Wochen hinterher. Sind in manchen Regionen die Wiesen bereits gelb vom Löwenzahn, kommen hier erst die ersten Blüten auf. Daher haben wir die Hoffnung, dass nicht nur die Bienen, sondern auch die Blüten in diesem Jahr einfach etwas später starten.