In den letzten Wochen waren wir immer wieder bei unserem Ableger, um diesen zu füttern. Alle paar Tage haben wir ca. 1 Liter Futtersirup nachgefüllt, und es war auch jedes Mal alles leer. Da wir nicht den üblichen Anfängerfehler machen und ständig Waben ziehen wollten um zu sehen, wie es dem Volk geht, haben wir wirklich nur gefüttert und, wenn es die Lichtverhältnisse noch zuließen, einen vorsichtigen Blick in die Wabengassen riskiert.
Ich hatte die ganze Zeit ein etwas ungutes Gefühl, denn mir war einfach zu wenig los in der Kiste. Der Ableger hatte ja schon zu Beginn keine Mittelwände ausgebaut, was mich damals bereits etwas beunruhigt hat. Da das Futter aber immer aufgenommen und auch eingetragen wurde, habe ich mich von unserem Imkerpaten beruhigen lassen.
Gestern waren wir wegen der Ameisensäurebehandlung der Wirtschaftsvölker wieder am Stand und wollten im Anschluss auch wieder unseren Ableger füttern. Während der Behandlung der Nachbarbeuten habe ich über längere Zeit nur sehr wenig Betrieb am Flugloch feststellen können. Daher haben wir uns entschlossen, beim Füttern auch noch einen kurzen Blick auf die Waben zu werfen. Und es ergab sich ein interessante Bild.
Auf der ersten Wabe waren ein paar Zellen mit Pollen und auch noch einige wenige Zellen mit Futter vorhanden. In einigen Zellen saßen Bienen, sodass nur das Hinterteil herausschaute. Auf der nächsten Wabe das gleiche Bild. Auch die dritte Wabe war leer, ebenso die vierte, fünfte, sechste und siebte. Kein Futter, kein Pollen, keine Brut. Auch war nirgends die erst vier Wochen vorher eingesetzte Königin zu finden. In der ganzen Kiste waren vielleicht 100 Bienen zu sehen. Das war natürlich sehr niederschmetternd. Auch der dritte Versuch, einen Ableger zu bilden, ist fehlgeschlagen.
Nun ging natürlich die Spekulation los, was passiert ist. Räuberei schloss der Imkerpate aus, da die Waben nicht nach Räuberei aussahen. Dies ist wohl sehr gut zu erkennen, da die Waben dann wie aufgeraspelt sind. Die Räuber haben keine Zeit, die Deckel sorgsam zu entfernen, daher werden diese einfach aufgerissen und so viel wie möglich aus der Zelle gesaugt. Unsere Waben sahen aber alle sehr ordentlich aus. Ein Schwarm ist im August sicher auch nicht das Wahrscheinlichste. Daher gab uns die Beobachtung Rätsel auf. Seltsam war, dass das Futter jedesmal komplett aufgenommen wurde. Aber wo war es hin?
Heute kam mir noch der Gedanke, dass es eventuell deshalb keine Räuberei war, da in der Kiste kein Volk wohnte. Eventuell ist die Königin gestorben oder es gab doch einen Schwarm oder das Volk ist aus anderen Gründen weg. Aber wenn es in der Beute kein Volk gibt, welches das Futter verteidigt, müssen sich die Räuber auch nicht beeilen. Und vielleicht sehen die Waben deshalb noch gut aus.
Wahrscheinlich werden wir es nie erfahren. Es bleibt leider der dritte gescheiterte Versuch, einen Ableger zu ziehen. So wie es gerade aussieht, werden wir das kommende Bienenjahr wie das aktuelle starten, nämlich ohne eigenes Volk.